‚zwischen Wanduhren aufgewachsen‘ – Interview mit Alain Frie, Designer und Geschäftsführer bei NeXtime

Uhren zu designen ist etwas mit dem Alain aufgewachsen ist. Bereits als Kind hat er nach der Schule in der Manufaktur seiner Eltern geholfen. 25 Jahre später übernahm Alain Frie das Geschäft und machte aus der Firma seines Vaters einen der modernsten Uhrenhersteller überhaupt – NeXtime. Alain’s neue Uhrenkonzepte und Ideen sind das Resultat seiner permanenten Jagd nach neuen, innovativen Materialien, frischen Formen und aufregenden Illustrationen. Seine Designs sind zeitgenössisch, innovativ, clean, manchmal auch lustig und gelten bei Uhren-Kennern und -Liebhabern längst zum ‚guten Ton‘ in Sachen Wohndesign. Für all jede welche die Person hinter zahlreichen Wanduhr-Designs aus unserem Uhren-Shop besser kennen lernen möchten, folgt ein Interview mit Alain – viel Saß beim Lesen:

Welche Rolle haben Uhren während Deiner Kindheit für Dich gehabt? Gabs eine übergeordnete Verbindung für Dich zwischen Uhren und der Zeit allgemein?

Meine Eltern haben die Firma vor 40 Jahren gegründet, kurz bevor ich geboren wurde, so bin ich also „zwischen“ Wanduhren aufgewachsen. Am Anfang haben Sie die ersten Uhren noch zuhause hergestellt und als mein Vater dann das Fabrikgebäude baute war das natürlich der beste Platz zum spielen und später während den Ferien zu helfen. Wir haben regelmässig Lieferanten besucht im Schwarzwald in Deutschland bevor wir in den Urlaub gefahren sind, und ich als kleiner Junge bin dann regelmässig mit am Tisch gesessen und hab die Gespräche mitbekommen, wie man Uhren gestaltet und herstellt. Uhren sind also ein Bestandteil meines ganzen bisherigen Lebens.

Uhren und Zeit sind natürlich Dinge die miteinander verwandt sind, aber Uhren sind weitaus mehr als nur Zeitmesser. Uhren sind Gegenstände die wir als Dekoration für unser Zuhause kaufen, und sie spiegeln Dich und wer Du sein möchtest wieder. Ich denke die Funktionalität in Kombination mit Design und Technik ist etwas was den Rest meines Lebens eine Inspiration für mich sein wird.

War es schon immer Dein Plan oder der Deiner Familie, dass Du die Uhrenfirma Deines Vaters übernimmst? Wie bist Du vorgegangen um die Richtung und den Stil der Uhren Deines Vaters in Deine eigene Richtung zu lenken?

Nein, es war nicht schon immer mein Plan die Firma zu übernehmen, ich habe ursprünglich Koch gelernt. Ich mag die schönen Dinge des Lebens und das Kochen ist immer noch etwas das ich als Hobby betreibe. Aber nach meiner Ausbildung und einigen Jahren Arbeit in der Gastronomie fühlte ich mich immer noch zum Uhren Business hingezogen. Zu dieser Zeit war die Firma längst international tätig, und als junger Mann wollte ich um die Welt reisen, und der Familienbetrieb mit den Wanduhren hat mir die Möglichkeit dazu gegeben.

Als ich Anfang der neunziger in die Branche kam, war das ganze Uhren Business in Bewegung.

In der Vergangenheit wurden die Teile bzw. die meisten Uhren in Deutschland, im Schwarzwald hergestellt. Das waren fast ausschließlich Traditionelle Wanduhren, zum Großteil mechanische Uhren für eher klassische Einrichtungen. Diese Uhren wurden von Uhrenspezialisten oder Juwelieren auf der ganzen Welt verkauft. Ende der 80er, Anfang der 90er Jahre wurde die Produktion mehr und mehr auf Quarz Uhrwerke, die den Preis für eine Wanduhr erheblich gesenkt haben, umgestellt. Der niedrigere Preis bedeutete auch dass eine Uhr bzw. eine Wanduhr nicht mehr zwangweise von einem Spezialisten oder Juwelier verkauft werden musste.

Der grössere Preiswettbewerb und die grössere Flexibilität die man durch die Quarzuhrwerke hatte gaben uns die Möglichkeit an neuen Designs zu arbeiten und neue Vertriebswege zu finden, unsere Produkte zu verkaufen. Von diesem Moment an wurde das Design die Treibende Kraft im Uhrenbusiness. Auf modernes Design zu setzen gab uns auch die Möglichkeit, Uhren in Geschenk-, Design- und Möbelgeschäften zu verkaufen. Her verkaufen wir auch heute die meisten unserer Uhren. NeXtime hat sich dem Markt angepasst und angefangen mit vielen Designern zusammen zu arbeiten, und ist nun einer der führenden Marken was Design-Wanduhren betrifft.

Hast Du jeweils eine Vision der Art des Produkts dass Du designen, herstellen und verkaufen möchtest? Woher kommen diese Ideen? Was sind Deine Einflüsse und Inspiration?

Da ich ja in dieses Geschäft hineingeboren wurde, neue Uhren zu designen und herzustellen ist es etwas was ich bereits mein ganzes Leben lang mache.
Wie auch immer, es ist jedesmal eine Herausforderung neue Konzepte zu entwickeln, die innovativ sind, gut zu verkaufen, einfach zu lesen und gute Zeitmesser sind. Ich verfolge immer die neuesten Trends aus dem Möbeldesign, Farben und Materialien. Diese Trends zusammen mit meiner Erfahrung im Uhrengeschäft und die Inspirationen die ich an verschiedenen Orten aufnehme helfen mir dabei jedes Jahr eine neue Kollektion von 30 bis 40 Uhrenmodellen herauszubringen.

Ist es eher einschränkend oder inspirierend das immer gleiche, traditionelle und funktionale Produkt (die Uhr), jedesmal neu zu erfinden? Modern, neu und interessant?

Ich weiss nicht genau wie und warum, aber da sind jedes Jahr neue Ideen und es ist eine faszinierende Erfahrung die man mit Uhren machen kann. Aber klar, da sind auch viele junge Designer die mir dabei helfen jedes Jahr eine neue Kollektion für NeXtime herzustellen.

Was war bspw. Deine Inspiration für das „Dropped“ Wanduhresign? Wie wichtig ist das Material für Dein Design-Konzept? (Als Beispiel, bei der „Dropped“ Wanduhr, das teilweise klare Glas durch die man die Wand sehen kann.)

Für mich mit meinem handwerklichen Hintergrund ist klar das Material immer die treibende Kraft hinter meinen Entwürfen. Glas ist ein sehr schönes Material mit einem idealen Gewicht. Das glitzern, die transparenz, die verspiegelten Zahlen und das Gewicht gibt der Uhr die Qualität und das Look and Feel das Sie braucht. Die Uhr „Dropped Numbers“ ist eine meiner ersten Designs. Sie ist etwas das eigentlich mit einem Spass anfing, und heute eine unserer bestgehenden Uhren ist.

Was ist normalerweise der Schlüsselmoment für Dich während dem Design-Prozess einer Uhr, von der ersten Skizze bis zum Endprodukt? An welchem Punkt bist Du dir am sichersten das es ein Erfolg wird?

Jede Facette dieses Prozesses ist wichtig. Jedes Jahr machen wir um die 250 Skizzen und Zeichnungen für neue Uhrenkonzepte. Die Skizze muss meine Aufmerksamkeit erregen. Dann ist es wichtig die richtige Firma zu finden die sich für den Entwurf interessiert und die Muster herzustellen. Das Muster wird dann von unserem Salesteam und unseren Verkäufern begutachtet, und danach wird es hergestellt, verpackt etc. Wenn einer dieser Facetten des Prozesses nicht gut ist oder nicht funktioniert, wird das Produkt kein Erfolg. Erst nachdem dieser ganze Prozess beendet ist und funktioniert hat, kann ich sagen ob es ein Erfolg wird. Einen Verkaufsschlager herzustellen ist wie ein Sechser im Lotto, da es soviele Dinge gibt die schief laufen können. Wie auch immer, wenn sich das Produkt gut verkauft in den Geschäften, ist es eine grosse Befriedigung für mich und das ganze Team das bei der Herstellung der Uhr geholfen hat.

Hat es einen Einfluss auf Dich das Du von anderen Uhrendesignern umgeben bist? Sind Deine Designs inspiriert durch sie oder kommen die Ideen woanders her?

Die meisten Ideen habe ich tatsächlich selbst oder ich kriege Input vom Uhrenmarkt. Aber 100% individuell zu sein ist nahezu unmöglich, du kriegst ständig Inspiration wenn du auf den verschiedenen Austellungen bist, oder verschiedene Designer rund um den Globus triffst. Trotzdem ist NeXtime sehr stolz darauf eine 100%ig eigene, originale Desig-Kollektion zu haben, die nur Produkte beinhaltet die exklusiv für NeXtime produziert werden.

Ist es eine grosse Herausforderung gleichzeitig Designer und Geschäftseigentümer zu sein? Mit welcher Rolle identifizierst Du dich mehr? Und ist es schwierig die Rentabilität Deiner eigenen Designs objektiv zu bewerten wenn Du sie komplett selbst entwickelt hast?

Es ist nicht einfach eine Firma zu führen und gleichzeitig kreativ zu sein. Es ist wie wenn du zwei Hüte auf hast. Du musst die Hüte wechseln und deinen Kopf frei kriegen, je nachdem was du gerade machst. Das grösste Problem ist das man „fliegen“ sollte für kreative Ideen, und dieses „fliegen“ kommt nicht einfach so zu dir wenn du es grad möchtest. Jedes Design ist wie ein Kind dass du aufziehst, und du drauf wartest bis es gross genug ist um zu fliegen, und du kannst dir nie 100% sicher sein ob es ein Erfolg Wird oder nicht.

Wie siehst du die Zukungt Deiner Entwürfe? Was dürfen wir von Dir erwarten?

Ich hoffe das ich noch kreativer in anderen Feldern werde, (lacht) für den moment könnt Ihr hauptsächlich Uhren, Uhren, Uhren und noch mehr schönere Uhren erwarten.

Wir bedanken uns bei Alain Frie für die Infos und freuen uns auf zukünftige Uhren-Kollektionen aus dem Hause NeXtime.

noch mehr Alain Frie – @alainfrie

Für all jene die noch mehr über Wanduhren-Design, über NeXtime und Alain selbst erfahren möchten, empfehlen wir den Twitter-Account @alainfrie, wo der Designer stets News, UpDates und Infos für euch bereithält.

One Response to ‚zwischen Wanduhren aufgewachsen‘ – Interview mit Alain Frie, Designer und Geschäftsführer bei NeXtime

  1. […] In dem letzten Interview, welches du für wanduhr.de gegeben hast, erwähntest du, dass Design zu der treibenden Kraft im […]

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